Ein Bauprojekt erzeugt jeden Tag Informationen: Pläne, Protokolle, Listen, E-Mails, Bewertungen, Termine und offene Punkte. All diese Informationen sind notwendig. Ihre Menge sagt aber noch nichts darüber aus, wie gut ein Projekt geführt wird.
Entscheidend ist für mich eine andere Frage: Wo stehen wir wirklich?
Gerade in komplexen Projekten ist diese Frage schwieriger zu beantworten, als sie zunächst klingt. Informationen liegen an unterschiedlichen Stellen, Beteiligte betrachten dieselbe Situation aus verschiedenen Perspektiven und einzelne Probleme werden bearbeitet, ohne ihre Auswirkungen auf andere Bereiche vollständig zu kennen. Irgendwann wird viel gearbeitet und trotzdem zunehmend reagiert.
Deshalb bringe ich die vorhandenen Informationen zunächst in eine klare Ordnung. Dabei arbeite ich nach einer einfachen Reihenfolge:
Der Ist-Zustand schafft ein belastbares Bild der tatsächlichen Situation. Das Soll klärt, was vereinbart oder erforderlich ist. Aus dem Vergleich wird die Abweichung sichtbar. Danach interessiert mich die Ursache: Warum ist sie entstanden und welche Auswirkungen hat sie auf andere Bereiche des Projekts? Erst auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, was tatsächlich getan werden muss.
Diese Reihenfolge klingt einfach. In der Praxis verhindert sie vor allem eines: Aktionismus. Denn eine schnelle Lösung ist nicht zwangsläufig eine gute Lösung – insbesondere dann nicht, wenn sie auf ein sichtbares Symptom reagiert, während die eigentliche Ursache bestehen bleibt.
Viele der entscheidenden Projektrisiken entstehen ohnehin nicht innerhalb eines einzelnen Gewerks. Sie entstehen an den Übergängen: zwischen Planung und Ausführung, zwischen Brandschutz und Nutzung, zwischen Termin und Qualität oder dort, wo Zuständigkeit vorhanden ist, aber notwendiges Handeln ausbleibt.
Genau diese Zusammenhänge versuche ich sichtbar zu machen. Denn aus vielen Informationen entsteht noch keine Orientierung.
Orientierung entsteht erst, wenn klar ist, was zusammengehört und was daraus folgt.
Ich habe Projekte erlebt, in denen erfahrene Menschen viel gearbeitet haben und trotzdem nicht weiterkamen. Nicht weil Kompetenz oder Einsatz fehlten, sondern weil irgendwann niemand mehr sicher sagen konnte, welche Entscheidung das Projekt tatsächlich weiterbringt.
Die Informationen waren vorhanden, ebenso die Beteiligten und der Wille, eine Lösung zu finden. Was häufig fehlte, war der Zusammenhang zwischen den einzelnen Themen.
Mal lag er in einer offenen Schnittstelle. Mal in einer Brandschutzanforderung, die zu spät in den Gesamtzusammenhang einbezogen wurde. Und manchmal in einer Entscheidung, die längst notwendig war, für die aber noch keine belastbare Grundlage geschaffen worden war.
Genau daraus habe ich etwas Entscheidendes gelernt: Mehr Tempo hilft nicht, wenn die Richtung unklar ist. Mehr Abstimmung hilft nicht, wenn die Ursache unbekannt bleibt. Und zusätzlicher Druck ersetzt keine klare Verantwortung.
Deshalb versuche ich heute zuerst zu verstehen, wie eine Situation entstanden ist und welche Zusammenhänge tatsächlich wirken. Erst daraus lässt sich ableiten, was entschieden werden muss und wie ein Projekt weitergeführt werden kann.
Diese Erfahrung prägt meine Arbeit bis heute.
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